Ich bin nicht gut (genug)!

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Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Klientin. Nennen wir Sie im folgenden Text der Einfachheit halber Beate.

Beate ist seit ca. 16 Jahre psychisch krank und versucht seit dem Ihr Leben wieder „in den Griff“ zu bekommen. Sie hat einen 15-/16-jährigen Sohn, den Sie aufgrund Ihrer Erkrankung direkt nach der Geburt in eine Pflegefamilie gegeben hat. Sie hat regelmäßig mit Ihrem Sohn Kontakt, Sie schreibt ihm regelmäßig Briefe und trifft sich auch regelmäßig mit ihm, leider jedoch nur im Beisein des Jugendamtes, was Sie sehr belastet. Sie sagte mir, dass Sie maximal 2 Minuten alleine sind.

Sie lebt in einer Wohnung alleine und versorgt sich komplett selbstständig, sprich einkaufen, kochen und die Wohnung in Ordnung halten. Wie Sie mir mitteilte, hat Sie zum Putzen manchmal keine Lust und verschiebt es dann. Was Sie für sich als Makel betrachtet. Aber mal Hand aufs Herz, wer von uns putz gerne, bzw. verschiebt das nicht auch manchmal oder gar öfters? Ist man deshalb nicht gut (genug)?

Sie sagte mir, dass Sie viele Kanten und Ecken hätte, z.B. Perfektionismus, Pünktlichkeit…. Und das Sie aufgrund dessen viele Probleme hätte.  Auch hier fragte ich Sie, ob Sie mir jemanden nennen könnte, der keine Ecken und Kanten hätte? Jeder Mensch hat mehr oder weniger Ecken und Kanten, das macht uns als Menschen aus!

Ich bekam das Gefühl, dass Beate sich nicht so annehmen und lieben kann, wie Sie ist. Dabei hatte Sie in diesen Jahren so viel erreicht, Sie hat sich Ihre Selbstständigkeit zurück erobert und möchte diese, wie Sie mir sagte, auch sehr ungern wieder aufgeben. Sie sprach davon erst im hohen Alter, wenn Sie nicht mehr kann.

Jedoch konnte Sie all das nicht für sich annehmen und als etwas Positives verbuchen. Sie ist, wie Sie sagte: “nicht gut (genug)“.

Ich stellte Ihr eine Frage: „Wie sollen andere Menschen Sie lieben, wenn Sie sich selbst nicht liebt und annimmt, wie Sie ist?“

° Sie hat nun eine Hausaufgabe mitbekommen, Sie darf in Ihr Tagebuch eintragen, was Ihr jeden Tag gelungen  ist, z.B. einen Kuchen gebacken, die Wohnung geputzt, obwohl Sie es lieber verschieben wollte, oder raus zu gehen, obwohl Sie lieber im Bett liegen geblieben wäre….

°Des Weiteren habe ich Ihr empfohlen ein Freudetagebuch zu führen, sprich ein Tagebuch in dem nur die schönen Momente eines Tages festgehalten werden. Dieses Freudetagebuch wird mehr und mehr zu einer Kraftquelle werden. Diese Idee habe ich aus dem Buch von Luise Reddemann  „Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“

„Und auch das unglücklichste Leben hat seine Sonnenstunden und seine kleinen Glücksblumen zwischen dem Sand und Gestein.“ (Hermann Hesse)

Sie können dies für sich alleine ausprobieren, sollten Sie Unterstützung benötigen, dann sprechen Sie mich gerne an!

Viel Erfolg!!

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